Proxmox VE installieren & konfigurieren — Enterprise Homelab #2
Im ersten Teil dieser Serie haben wir den PERC H710P Controller unseres Dell R720 auf IT-Mode geflasht — damit reicht der Controller die Festplatten direkt durch und wir können das volle Potenzial von ZFS nutzen. Heute legen wir den nächsten Schritt nach: Proxmox VE installieren, das System sauber konfigurieren und die Basis für unser Enterprise-Homelab legen.
Das Video dazu — schau es dir gerne zuerst an, dann macht dieser Guide noch mehr Sinn:
Was du für diesen Guide brauchst
- Dell R720 (oder vergleichbarer Server) mit auf IT-Mode geflashtem RAID-Controller — Anleitung hier
- USB-Stick (min. 8 GB) mit Proxmox VE Image, erstellt mit Rufus
- Zugang zur iDRAC-Verwaltungsoberfläche des Servers
- Eine freie SSD oder HDD für das Proxmox-Betriebssystem (empfohlen: dedizierte SSD)
- Festgelegte IP-Adresse für den Proxmox-Host im eigenen Netzwerk
Schritt 1: Proxmox VE installieren
Der USB-Stick mit dem Proxmox VE Image ist bereits vorbereitet und am Server angesteckt. Wir starten den Server über die iDRAC-Konsole, die uns eine virtuelle Ansicht der Serverkonsole gibt — praktisch, wenn der Server im Rack oder Keller steht.
Installation über den grafischen Installer
Sobald der Server vom USB-Stick bootet, erscheint automatisch der Proxmox VE Installer. Wähle „Install Proxmox VE (Graphical)“. Die wichtigsten Punkte bei der Installation:
- Zieldatenträger: Proxmox auf der dedizierten SSD installieren — nicht auf einer der Daten-HDDs.
- Land & Zeitzone: Entsprechend setzen (z. B. Austria / Vienna).
- Hostname: Einen sinnvollen Namen vergeben — z. B.
proxmox2wenn es der zweite Node im geplanten Cluster wird. - Netzwerkkarte: Der Dell R720 hat zwei 1-Gigabit-Ports und zwei 10-Gigabit SFP+-Ports. Für die Installation verwenden wir einen der 1-Gigabit-Ports. Die SFP+-Ports reservieren wir später für VMs und Storage-Traffic.
- IP-Adresse: Eine feste (statische) IP vergeben — kein DHCP für Server.
Tipp: Es gibt zahlreiche detaillierte Proxmox-Installations-Tutorials auf YouTube — in diesem Guide fokussieren wir uns auf das, was nach der Installation wirklich wichtig ist.
Nach der Installation startet der Server automatisch neu. Über die virtuelle Konsole (iDRAC) sehen wir die CLI-Ausgabe von Proxmox mit der Web-UI-Adresse — fertig.
Schritt 2: Community Post-Install Skript ausführen
Eines der ersten Dinge, die ich auf jedem frisch aufgesetzten Proxmox-System mache: das Community Post-Install Skript von community-scripts.github.io. Die Community dort ist exzellent — regelmäßige Updates, sauber dokumentiert.
Das Skript erledigt auf einen Streich:
- Enterprise-Repositories deaktivieren (die brauchen eine kostenpflichtige Subscription)
- No-Subscription-Repository aktivieren
- Das lästige Subscription-Popup beim Login dauerhaft entfernen
- Optional: High Availability aktivieren
- Proxmox direkt updaten
Den Befehl findest du direkt auf der Community-Scripts-Seite unter Proxmox VE → PVE Post Install. In der Proxmox Shell ausführen:
bash -c "$(wget -qLO - https://github.com/community-scripts/ProxmoxVE/raw/main/misc/post-pve-install.sh)"
Das Skript führt dich interaktiv durch alle Optionen. Meine Empfehlung:
- PVE Enterprise Repository deaktivieren? → Ja
- No-Subscription Repository aktivieren? → Ja
- Subscription-Popup entfernen? → Ja
- High Availability (HA) aktivieren? → Ja — auch ohne aktuellen Cluster schließt du dir damit keine Türen für später.
- Proxmox updaten? → Ja
Wichtig: Wenn du bereits einen Cluster mit mehreren Nodes betreibst, führe das Skript auf jedem Node aus — sonst greifen die Einstellungen nicht überall.
Nach dem Skript empfiehlt sich ein Neustart des Proxmox-Hosts. Danach ist das Subscription-Popup Geschichte.
Schritt 3: Repositories prüfen & System updaten
Nach dem Neustart im Browser auf die Proxmox Web-UI zugreifen (https://<IP-Adresse>:8006) und einloggen. Im Menü unter Node → Repositories kurz prüfen:
- No-Subscription Repository: aktiv
- Enterprise Repositories: deaktiviert
Dann unter Node → Updates auf „Aktualisieren“ klicken und prüfen ob noch Updates ausstehen. Auf einem frisch installierten System direkt nach dem Post-Install-Skript in der Regel: keine offenen Updates mehr.
Schritt 4: Netzwerk konfigurieren (Linux Bridges)
Der Dell R720 hat vier Netzwerk-Ports: zwei 1-Gigabit-Ports und zwei 10-Gigabit SFP+-Ports. Das Ziel ist eine saubere Trennung der Netzwerk-Rollen über Linux Bridges in Proxmox.
Meine Aufteilung für dieses Setup:
| Bridge | Zweck | Port |
|---|---|---|
vmbr0 | LAN-Seite der Firewall/Router-VM | 1 GbE Port |
vmbr4 | Management + VM-Zugang zu Proxmox | SFP+ Port |
vmbr_inet | WAN-Seite (Anschluss zum Provider/Modem) | 1 GbE Port |
Die Bridges werden unter Node → Network angelegt. Nach dem Konfigurieren auf „Anwenden“ klicken und sofort prüfen, ob du noch Zugriff auf die Web-UI hast — eine falsch konfigurierte Bridge kann den Zugang zum Server unterbrechen. Im Notfall: über iDRAC virtuelle Konsole öffnen und korrigieren.
Tipp: Vor dem Anwenden immer nochmal Gateway und IP-Adresse der Management-Bridge prüfen. Ein falscher Wert und du hast keinen Netzwerkzugriff mehr auf den Server.
Schritt 5: Festplatten & SMART-Werte prüfen
Bevor der Server produktiv läuft, noch ein kurzer Blick auf die verbauten Festplatten. Unter Node → Disks sieht man alle erkannten Laufwerke. Da wir im letzten Video den Controller auf IT-Mode geflasht haben, werden alle Festplatten jetzt direkt durchgereicht — Proxmox kann die S.M.A.R.T.-Werte jeder einzelnen HDD und SSD direkt auslesen.
Im Beispiel: sieben HDDs und eine SSD — alle erkannt, alle SMART-Werte unauffällig. Perfekte Ausgangslage.
Fazit & nächste Schritte
In zwei Videos haben wir jetzt eine solide Enterprise-Basis geschaffen:
- ✅ PERC H710P auf IT-Mode geflasht → Festplatten-Passthrough aktiv
- ✅ Proxmox VE sauber installiert
- ✅ Community Post-Install Skript ausgeführt — Repos sauber, Popup weg
- ✅ System aktuell
- ✅ Netzwerk-Bridges konfiguriert
- ✅ Alle Festplatten erkannt, SMART-Werte geprüft
Damit ist die Basis fertig. Im nächsten Video kommen die ersten VMs: PCI-Passthrough konfigurieren und TrueNAS Scale als VM aufsetzen — damit der R720 wirklich als NAS-Server im Homelab arbeiten kann.
Wenn dir der Guide weitergeholfen hat, freue ich mich über ein Abo — die nächsten Videos kommen regelmäßig. Bei Fragen einfach in die Kommentare.
