PCI Passthrough + TrueNAS – Enterprise Homelab #3

Im zweiten Teil dieser Serie haben wir Proxmox VE auf dem Dell R720 installiert und einsatzbereit gemacht. Jetzt kommt der Schritt, der aus dem Server ein echtes Speicher-Zentrum macht: TrueNAS Scale als virtuelle Maschine aufsetzen und den SAS-Controller per PCI Passthrough komplett an diese VM durchreichen.


Das Video dazu — schau es dir gerne zuerst an, dann macht dieser Guide noch mehr Sinn:


Was du für diesen Guide brauchst

  • Einen laufenden Proxmox-VE-Host — aufgesetzt im zweiten Teil dieser Serie
  • Das ISO der TrueNAS Scale Community Edition (hier Version 25.10.21)
  • Einen SAS-/HBA-Controller im Server, an dem deine Datenplatten hängen
  • Genug freie Festplatten für den Speicher-Pool — in diesem Guide 3× 6 TB für ein RAID-Z1
  • Optional: einen Windows-Active-Directory-Server, wenn du die Benutzer-Berechtigungen aus deiner Domäne ziehen willst

In diesem Guide


Schritt 1: ISO und VM vorbereiten

Lade dir zuerst das ISO der TrueNAS Scale Community Edition herunter. Auf der Download-Seite scrollst du nach unten und klickst auf „No Thanks, Already Signed“ — damit überspringst du die Registrierung und kommst direkt an die Versionsauswahl. In diesem Guide nutze ich:

TrueNAS-SCALE 25.10.21

Dieses ISO lädst du in Proxmox hoch: im Storage local unter ISO Images auf Hochladen, die Datei auswählen, bestätigen. Sobald der Upload durch ist, steht das Image für eine neue VM bereit.

Die VM anlegen

Über Erstelle VM oben rechts legst du die virtuelle Maschine an. Auf Proxmox VE bekommt jede VM eine eindeutige ID — wenn du mehrere Nodes betreibst, lohnt sich eine Systematik: Ich vergebe auf Knoten 2 alle IDs mit einer 2 am Anfang, dann sehe ich sofort, wo eine VM läuft. Die Eckdaten dieser VM:

VM-ID:   200
Name:    Prox2-2NAS
Node:    pve-2
Disk:    32 GB virtio  (auf ZFS-Pool-1, 1 TB SSD)
CPU:     1 Socket / 6 Cores / Type: host
Memory:  8192 MB
Bridge:  vmbr4 (Heimnetzwerk)

Den QEMU Guest Agent aktivierst du, damit Proxmox später mehr Infos zur VM anzeigt. Für die Boot-Disk reichen 32 GB locker — leg sie auf schnellen Storage, dann startet TrueNAS flott. Der CPU-Typ host reicht den echten Prozessor an die VM durch. Beim Netzwerk wählst du die Bridge deines Heimnetzes, damit du das NAS später im LAN erreichst.

Tipp: Im internen Heimnetz kannst du die Firewall der Netzwerkkarte deaktiviert lassen — eigene Firewall-Regeln brauchst du hier nicht.


Schritt 2: TrueNAS installieren

Öffne die Konsole der VM — sie verbindet sich automatisch und du siehst den TrueNAS-Installer. Folge den Standard-Einstellungen und wähle die 32-GB-Disk als Installationsziel. TrueNAS warnt dich, dass dabei alle Daten auf der Platte gelöscht werden — da sie leer ist, fährst du fort.

Im nächsten Schritt legst du einen administrativen Benutzer truenas_admin mit Passwort an und bestätigst, dass du einen EFI-Boot möchtest. Danach startet die Installation.

Ist sie durch, fordert dich TrueNAS auf, das Installations-Medium zu entfernen. Das machst du in Proxmox unter Hardware: das gemountete ISO auswählen und entfernen. Zurück in der Konsole rebootest du die VM.


Schritt 3: PCI Passthrough konfigurieren

Nach dem Reboot bekommt TrueNAS über die Netzwerkkarte eine IP-Adresse — du könntest die Web-Oberfläche also schon öffnen. Aber ein entscheidender Teil fehlt noch: Die VM hat bisher nur ihre 32-GB-Bootplatte. Es gibt keine Datenplatten, auf denen du ein Netzlaufwerk anlegen könntest.

Genau dafür reichst du jetzt den kompletten SAS-Controller an die VM durch. Fahr die VM zuerst sauber herunter — das geht direkt im Konsolen-Menü über die Shutdown-Option. Anschließend in Proxmox unter Hardware → Hinzufügen → PCI-Gerät:

Hardware → Add → PCI Device
Mapped Device: SAS-Controller

Du reichst bewusst den ganzen Controller durch und nicht einzelne Festplatten. ZFS — das Dateisystem hinter TrueNAS — will direkten Hardware-Zugriff auf die Platten: SMART-Werte, volle Kontrolle, kein Proxmox-Layer dazwischen. Genau das liefert das PCI-Mapping.

Starte die VM neu und öffne die Web-Oberfläche über die IP-Adresse. Beim ersten Login nutzt du den eben angelegten Benutzer:

User: truenas_admin

Sobald du drin bist, siehst du das TrueNAS-Dashboard mit allen Basis-Parametern: IP-Adresse, Arbeitsspeicher und CPU-Auslastung. Weil wir den CPU-Typ host gewählt haben, zeigt TrueNAS sogar den echten Prozessor des Proxmox-Hosts an.


Schritt 4: Netzwerk & System einrichten

Bevor wir Speicher anlegen, bringen wir TrueNAS in einen sauberen Grundzustand. Unter System → General Settings stellst du Sprache, Tastatur-Layout und Zeitzone ein:

Language: Deutsch (de)
Keyboard: de
Timezone: Europe/Vienna

Als Nächstes vergibst du eine statische IP-Adresse — für ein NAS ist eine feste Adresse Pflicht, sonst findest du die Freigabe nach einem Reboot nicht zuverlässig wieder. In den Netzwerk-Einstellungen wählst du Define Static:

IP: 192.168.1.24/24
Gateway: 192.168.1.1
DNS: AD-DC (Windows)

Der DNS-Server zeigt hier auf den Windows-Active-Directory-Server. Das ist die Vorbereitung dafür, TrueNAS später der Domäne beitreten zu lassen, damit du die Benutzer-Berechtigungen direkt aus dem AD ziehen kannst.

Wichtig: Nach dem Speichern testet TrueNAS die Netzwerk-Änderung. Du musst die Verbindung auf der neuen IP-Adresse bestätigen, sonst rollt das System die Änderung zurück.

Zum Schluss setzt du noch den Hostnamen:

Hostname: prox2-truenas

Schritt 5: Speicher-Pool erstellen

Jetzt zahlt sich das PCI Passthrough aus. Im Reiter Speicher klickst du auf Pool erstellen und siehst auf der rechten Seite alle durchgereichten Festplatten — in meinem Fall acht Stück, weil der SAS-Controller voll bestückt ist.

Für den Pool wählst du das Layout RAID-Z1 — das ZFS-Äquivalent zu RAID 5:

Layout: RAID-Z1 (≙ RAID 5)
Disks: 3× 6 TB

Bei RAID-Z1 darf eine Festplatte ausfallen, ohne dass Daten verloren gehen — eine der drei Platten dient als Parität. Eine Verschlüsselung lasse ich hier weg, da das NAS rein intern läuft und das die Last auf dem System gering hält. Über Save and go to Review bestätigst du die Übersicht, danach wird der Pool erstellt:

Pool: data
Usable: 10.77 TB (RAID-Z1)

Schritt 6: Dataset & SMB-Freigabe

Auf dem Pool legst du jetzt ein Dataset an, über das du später per Netzwerk auf den Speicher zugreifst. Beim Anlegen wählst du das Preset SMB:

Dataset: daten
Preset: SMB

SMB ist das Protokoll fürs File-Sharing im Netzwerk. Das Preset übernimmt alle wichtigen Einstellungen im Hintergrund — du musst dem Dataset nur einen Namen geben. TrueNAS weist dich danach darauf hin, dass der SMB-Dienst noch gestoppt ist, und fragt, ob er gestartet werden soll. Aktiviere ihn und stell ihn so ein, dass er beim Hochfahren automatisch mitstartet.

Eigenen Benutzer anlegen

Statt mit dem vorgefertigten Admin-Konto zu arbeiten, legst du unter Anmeldeinformationen → Benutzer einen eigenen Benutzer an:

Username: stefan
Access: SMB + TrueNAS

Diesen Benutzer fügst du dann in den Berechtigungen des Datasets hinzu: volle Kontrolle, und die Rechte vererbst du rekursiv nach unten weiter. Damit ist die Freigabe einsatzbereit.

Netzlaufwerk in Windows verbinden

Zum Testen gibst du im Windows-Explorer den SMB-Pfad ein:

\\192.168.1.24\daten

Windows verbindet sich mit dem Dataset. Per Rechtsklick auf den Ordner wählst du Netzlaufwerk verbinden, vergibst einen Laufwerksbuchstaben — und fertig. Du hast jetzt ein Netzlaufwerk mit 10,7 TB, genau wie im Speicher-Pool festgelegt.


Fazit & nächste Schritte

In drei Videos haben wir jetzt eine solide Basis geschaffen:

  • ✅ VM für TrueNAS Scale auf dem Proxmox-Host angelegt
  • ✅ SAS-Controller per PCI Passthrough komplett an die VM durchgereicht
  • ✅ TrueNAS mit statischer IP, Zeitzone und Hostname sauber eingerichtet
  • ✅ RAID-Z1-Speicher-Pool mit 10,77 TB nutzbarer Kapazität erstellt
  • ✅ Dataset mit SMB-Freigabe und eigenem Benutzer als Windows-Netzlaufwerk eingebunden

Im nächsten Video kümmern wir uns um die Ausfallsicherheit: Wir spiegeln dieses Netzlaufwerk auf ein zweites NAS und richten eine Synchronisierung ein, damit deine Daten doppelt abgesichert sind.

Wenn dir der Guide weitergeholfen hat, freue ich mich über ein Abo — die nächsten Videos kommen regelmäßig. Bei Fragen einfach in die Kommentare.

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