Dell R720 Upgrade: PERC H710P auf IT-Mode flashen

Willkommen auf meinem Kanal! Wie im Video angekündigt, starten wir heute eine spannende Reise: Wir bauen uns ein Enterprise Homelab. Mein Ziel ist es, gemeinsam mit euch einen Server aufzusetzen, Smart-Home-Lösungen zu implementieren und echte Server-Hardware kennenzulernen.

Unser Hauptdarsteller ist ein Dell R720 Server. Der Plan ist, Proxmox als Virtualisierungsumgebung zu nutzen. Doch hier gibt es eine Hürde: Proxmox arbeitet hervorragend mit dem Dateisystem ZFS. ZFS benötigt jedoch direkten Zugriff auf die Festplatten (Direct Disk Access), was mit dem standardmäßig verbauten Hardware-RAID-Controller (einem PERC H710P Mini) nicht funktioniert.

In diesem Beitrag zeige ich euch Schritt für Schritt, wie wir den Controller „umflashen“, um ihn in den sogenannten IT-Mode zu bringen. Dadurch werden die Festplatten direkt an das Betriebssystem durchgereicht.


https://youtu.be/vxkRLXaCtUY

Voraussetzungen & Vorbereitung

Die Basis für diesen Prozess ist die legendäre Dokumentation von Fohdeesha, die eine ZIP-Datei mit zwei notwendigen ISO-Images bereitstellt. Bitte ladet euch diese dort herunter.

Hier der Link: https://fohdeesha.com/docs/perc.html

Hardware-Vorbereitung

  1. Festplatten entfernen: Nehmt alle Festplatten aus den Slots, sodass der Server komplett leer ist.
  2. RAID-Batterie abklemmen: Öffnet den Server und klemmt die Batterie des RAID-Controllers ab. Dies ist wichtig, da alte Cache-Daten im RAM des Controllers zu Problemen beim Flashen führen können.

BIOS-Einstellungen

Verbindet euch über die virtuelle Konsole (iDRAC) und stellt folgende Dinge sicher:

  • Deaktiviert die Virtualisierungsoptionen (VT-d / SR-IOV) im BIOS temporär für den Flash-Vorgang.
  • Stellt den Boot-Modus auf UEFI um (gemäß Dokumentation).

Schritt 1: Das „Cleaning“ mit FreeDOS

Wir beginnen mit dem ersten ISO-Image aus dem Download-Paket (FreeDOS).

  1. Startet die virtuelle Konsole des Servers.
  2. Bindet das FreeDOS ISO als virtuellen Datenträger ein (Virtual Media -> Map CD/DVD) und bootet davon.
  3. Sobald die Kommandozeile verfügbar ist, prüfen wir zunächst, welche Hardware exakt vorliegt.

Befehl zur Prüfung:

Bash

info

WICHTIG: Das System zeigt euch hier eine SAS-Adresse an (meist beginnend mit 500...). Macht unbedingt einen Screenshot oder notiert euch diese lange Nummer fehlerfrei! Wir brauchen sie am Ende zwingend wieder, sonst hat der Controller keine Identität mehr.

Controller bereinigen: Nun führen wir das Cleaning durch. Achtet darauf, welchen Befehl ihr nutzt – dieser hängt von eurer Revision ab (D1 oder B0). In meinem Fall (H710P Mini D1) lautet der Befehl:

Bash

PD1CROSS

(Hinweis: Prüft bitte in der Fohdeesha-Doku, welcher Befehl exakt zu eurer im info Schritt angezeigten Karte passt!)

Bestätigt die Sicherheitsabfragen mit Enter. Wartet, bis die Meldung „Press any key to write the IT mode“ erscheint und der Vorgang fehlerfrei durchgelaufen ist. Danach führen wir einen Neustart durch.


Schritt 2: Flashen des IT-Modes mit Linux Live

Während der Server neu startet, wechseln wir das ISO-Image.

  1. Bindet im virtuellen Datenträger nun das Linux Live ISO ein.
  2. Lasst den Server in dieses Linux booten (passiert in der Regel automatisch).
  3. Sobald das Linux hochgefahren ist, öffnen wir die Konsole (oder bleiben in der virtuellen Konsole).

Wir müssen nun Root-Rechte erlangen.

Wechsel zum Root-User:

Bash

sudo su -

Flash-Skript ausführen: Nun schreiben wir die neue Firmware. Wählt hier den Befehl, der zu eurer Karte passt (siehe Dateiliste im Ordner). Für den H710P Mini D1 nutzen wir oft:

Bash

D1-H710

Tipp: Sollte beim ersten Booten ein „Kernel Panic“-Fehler auftreten: Keine Panik. Einfach Server resetten und neu in das Live-ISO booten. Beim zweiten Mal klappt es meistens.


Schritt 3: SAS-Adresse wiederherstellen & Abschluss

Nachdem der Flash-Vorgang erfolgreich war („Successfully programmed“), ist der Controller jetzt „nackt“. Wir müssen ihm seine SAS-Adresse zurückgeben.

Nutzt hier die Nummer, die ihr euch in Schritt 1 notiert habt.

Befehl zum Setzen der Adresse:

Bash

sudo su -
setsas 5xxxxxxxxxxxxxxx

(Ersetzt 5xxxxxxxxxxxxxxx durch eure eigene Adresse ohne Leerzeichen!)

Verifizierung: Führt abschließend noch einmal den Info-Befehl aus, um zu prüfen, ob die SAS-Adresse korrekt gesetzt ist und als Vendor nun „LSI“ (statt Dell) angezeigt wird.

Bash

info

Wenn alles korrekt aussieht:

  1. ISO entfernen.
  2. Server ausschalten.
  3. Festplatten wieder einsetzen.
  4. Neu starten.

Ergänzung: Boot-Fähigkeit aktivieren (Wichtig!)

Standardmäßig wird der Controller ohne Boot-Image geflasht. Das beschleunigt zwar den Server-Start, hat aber einen Haken: Wir können nicht von Festplatten booten, die am Controller hängen.

Da wir Proxmox auf der SSD in Slot 0 installieren, müssen wir das Boot-Image flashen, sonst findet der Dell Server nach der Installation kein Betriebssystem. Da wir unseren Server auf UEFI eingestellt haben, flashen wir das moderne UEFI-Image.

Befehl zum Flashen des UEFI-Bootloaders:

Bash

flashboot /root/Bootloaders/x64sas2.rom

(Falls ihr – warum auch immer – den Server noch im alten BIOS/Legacy Modus betreibt, würdet ihr stattdessen mptsas2.rom nehmen. Für unser Setup nutzen wir aber x64sas2.rom.)


Fazit

Geschafft! Der Dell R720 ist nun bereit für die Installation von Proxmox und die Nutzung von ZFS, da der Controller die Festplatten nun direkt durchreicht. Wir haben aus einem proprietären RAID-Controller einen offenen HBA gemacht.

Ich hoffe, diese Anleitung hilft euch beim Nachbauen eures eigenen Homelabs. Im nächsten Beitrag schauen wir uns dann die eigentliche Installation von Proxmox auf der SSD an.

Habt ihr Fragen zum Flash-Vorgang? Schreibt es in die Kommentare unter das YouTube Video!

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